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Aus dem Leben einer Heiligen – Kühe in Indien

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Fotos und Texte: Christian Faesecke
Audios: Gerhard Richter, Christian Faesecke

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Eine Gruppe indischer Frauen berührt ehrfürchtig eine Kuh auf einer Straße im indischen Varanasi. Für die Hindus ist die Kuh die Mutter allen Lebens.

Ihre Milch, der Kuhmist, der Urin und auch die verarbeiteten Produkte Butterschmalz und Joghurt gelten als heilige Gaben an den Menschen.

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Schon in den ältesten Hinduschriften, den Veden, kommt die Kuh als Göttin vor, als die Verkörperung der Erde.

Auch viele andere hinduistische Schriften bezeichnen sie als Göttin. Mit der Bezeichnung Kuh sind sowohl weibliche als auch männliche Tiere gemeint -  das weibliche hat aber einen höheren Stellenwert.

Der Bulle wiederum wird als Nandi, das Begleittier des Gottes Shiva, verehrt. Nandi-Statuen findet man daher häufig als Beschützer an Eingängen von Shiva-Tempeln.


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Doch nicht allen sind die Tiere heilig. Viele Kühe werden von Indien nach Bangladesch geschmuggelt.


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Ein Viehmarkt in Bangladesch nahe der indischen Grenze. Viele Tiere, die angeboten werden, sind Schmuggelware. 


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Ein jugendlicher Viehhändler führt seine Kuh über den Viehmarkt.



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Ein Viehhändler wartet auf einem Markt auf potenzielle Käufer. Bis zu 10.000 Kühe werden hier in Bangladesch an der Grenze zu Indien an einem Markttag verkauft.

Eine hundertköpfige Herde bringt 50.000 bis 60.000 Euro ein. Die Bestechungsgelder für die indischen Polizisten oder Armeeangehörigen betragen etwa 5000 Euro.

30 Kuh-Schmuggler sind dagegen schon für 200 Euro zu haben.



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Zahlstelle auf dem Viehmarkt. Jeder Kauf einer Kuh muss von den lokalen Behörden erfasst und durch einen Kassenbeleg quittiert werden.

Für diesen Beleg werden pro Kuh rund 500 Taka fällig - ungefähr 5,75 €.

Damit ist die Kuh in Bangladesch vorschriftsmäßig anerkannt und darf weiterverkauft und geschlachtet werden.

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Ein Viehtransporter erreicht einen Viehmarkt in Dhaka, Hauptstadt von Bangladesch.

Tabak oder Chili wird vielen Kühen während des langen Transports in die Augen gerieben, um sie daran zu hindern, vor Erschöpfung zusammenzubrechen.

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Arbeiter putzen Kühe auf einem Viehmarkt in Dhaka, um sie besser zu verkaufen.

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Mehrere Rinderhälften an einer Wand in einem Schlachthaus.

Der blaue Stempel zeigt die Freigabe der Gesundheitsbehörde an, die stichprobenartige Kontrollen macht.

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Ein Lieferant trägt ein großes Stück Fleisch auf seinen Schultern über den morgendlichen Gemüsemarkt. 

Die indischen Grenzkontrollen wurden verschärft. Damit ist der Kilopreis von Rindfleisch in Bangladesch um ein Drittel gestiegen.

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Abgelöste Häute liegen auf einem Haufen bei einem Leder-Zwischenhändler in Dhaka.

Auch die Lederindustrie in Bangladesch wird langfristig von den indischen Grenzbeschränkungen betroffen sein.

Indische Kuhhäute gelten als qualitativ hochwertiger als die der kleineren einheimischen Kühe.

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Ein Fellhändler in Dhaka präsentiert seine frisch gesäuberten und sortierten Felle potenziellen Käufern.

Mehrere Kaufinteressenten der verschiedenen Gerbereien lassen sich die Ware vorführen und flüstern dem Zwischenhändler anschließend einen Preis ins Ohr.

Der antwortet mit einem bestürzt-beleidigten Ausruf oder mit einem gnädigen Nicken.

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Ein Rikscha-Fahrer wartet im Zentrum Dhakas an seiner Lastenrikscha auf weitere Felle seines Kunden.

Die frischen Felle müssen innerhalb eines Tages in Salz eingelegt werden, um den einsetzenden Verwesungsprozess zu stoppen.

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Auf dem Kopf transportiert ein Arbeiter ein Dutzend Kuhfelle durch die engen Seitengassen im Zentrum Dhakas.

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Für die Weiterverarbeitung werden Hautareale wie Ohren, Schwänze oder Knöchelpartien später zerkleinert und zu Fisch- und Geflügelfutter verarbeitet.

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Ein mit Fellen und Chemikalien gefülltes Gerbfass in einer Gerberei wird von einem Arbeiter verriegelt.

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Arbeiter schaben in einer Gerberei in Dhaka mit speziellen Messern die chemisch abgelöste Fettschicht von den Kuhhäuten. 

In den Gerbereien in Bangladesch werden viele der Chemikalien eingesetzt, die in Europa bei der Lederherstellung längst verboten sind. Schutzkleidung wie Gummihandschuhe oder Plastikschürzen sind nur sporadisch vorhanden.

Ansonsten stehen die Arbeiter barfuß und einzig mit einem Lungi (baumwollener Umhang) bekleidet in der giftigen Lauge. Atemwegserkrankungen und Hautausschläge sind hier an der Tagesordnung.


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Abwasser einer roten Lederfärbung ergießt sich aus dem Abfluss einer Gerberei in einen offenen Abwasserkanal in Dhaka.

Mit über 200 Gerbereien und ohne jegliche Klärung der Abwässer zählt das Viertel Hazaribagh in Dhaka zu einem der am meisten verseuchten Plätze der Welt.

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Auf dem Dach einer Gerberei in Hazaribagh werden Lederhäute je nach Kundenwunsch mit entsprechenden Farben eingefärbt.

Bangladeschs Lederindustrie exportierte 2014 nach Deutschland Waren im Wert von 108 Millionen US-Dollar, davon 91 Millionen für Schuhe.


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Zwei Frauen sammeln am Abend ihre in der Sonne getrockneten Lederstücke ein. Viele Familien sind auf die Lederreste großer Gerbereien angewiesen, die sie weiterverarbeiten und verkaufen.



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Ein Arbeiter stapelt getrocknete Lederhäute in einer Gerberei.

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Lederhäute hängen zum Trocknen in einer Gerberei.

Tierschutzorganisationen fordern seit langem eine nachvollziehbare Kennzeichnungspflicht für Leder.

Das Oberleder eines Schuhes kann beispielsweise in der Türkei zugeschnitten und gefärbt worden sein, die Gerbung und Schlachtung erfolgte zuvor in Bangladesch und die Kuh stammte ursprünglich aus Indien.


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Gegerbte Lederreste liegen am Straßenrand im Gerbereiviertel Dhakas.

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Ein mit Müll und Lederresten übersäter Zufluss zum Buriganga in Hazaribagh, Dhaka.

Der Fluss Buriganga gilt als Lebensader von Dhaka, obwohl er biologisch längst tot ist. Dieser mit Lederresten, Müll und zahlreichen Chemikalien verseuchte Zufluss ist nur einer von vielen, die direkt in den Buriganga münden.

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