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Das leise Sterben der Insekten

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In den vergangenen 27 Jahren sind laut einer Studie 75 Prozent der fliegenden Insekten in Deutschland verschwunden. Und ohne ein radikales Umdenken in der Landwirtschaft könnten schon in zehn Jahren auch die restlichen Bienen, Hummeln und Libellen ausgerottet sein.

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Weltweit sind 90 Prozent aller Tierarten Insekten.
In Deutschland leben zirka 33.000 Insektenarten.
Davon etwas 9.400 Hautflügler - also Wespen, Bienen, Ameisen und Hornissen.
9.500 Zweiflügler - also Fliegen und Mücken, 6.500 Käfer und etwa 3.600 Schmetterlingsarten.

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Der Geldwert ihrer Leistung wird allein in Europa auf 14 Milliarden Euro geschätzt. Auch einen Großteil der Schädlingsbekämpfung leisten die Krabbeltiere gratis.

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eine Biene an einem Blumenstempel
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50 Prozent der grünen Pflanzenbiomasse gehen durch die Mägen von Insekten, auch durch den des Hirschkäfers. Insekten fressen Blätter, Nadeln, Rinde, Holz, Kot und Kadaver von Tieren. Ihre Ausscheidungen gelangen auf den Boden, wo Mikroorganismen die Nährstoffe daraus freisetzen.

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Himbeere

Zwanzigtausend Wildbienenarten, dazu verschiedene Schmetterlinge, Fliegen, Motten, Käfer und Wespen bestäuben Pflanzen.
Weil jeder Bestäuber zu einer anderen Tageszeit fliegt oder andere Stellen der Blüte besucht, bilden sich viele, schmackhafte, gut aussehende und nährstoffreiche Früchte.

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 Eine Springspinne (Phidippus mystaceus) saugt die Raupe einer Mücke aus

Spinnen, Vögel, Mäuse, Frösche, Fledermäuse und nicht zuletzt andere Insekten fressen Insekten - Auf dem Foto saugt eine Springspinne die Raupe eine Mücke aus. So werden Schädlinge in Schach gehalten.

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Im Herbst 2017 veröffentlichte der Entomologische Verein Krefeld eine Studie, die auf das Insektensterben aufmerksam machte.
In manchen Gebieten liege das Insektensterben bei 80 Prozent, behaupten die Forscher  im britischen Fachmagazin "PLOS ONE".

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Die Autoren seien Hobbyforscher,
die Datenerhebung unzureichend,
die Auswertung mangelhaft.

Was ist dran an der Kritik?

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Fast dreißig Jahre, zwischen 1989 und 2016, stellten Insektenforscher in sechzig Naturschutzgebieten in Deutschland Insektenfallen auf – an Waldsäumen, in nährstoffarmen Heidelandschaften, auf sattem Grasland.

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Ein WIssenschaftler wiegt Insekten

Die Wissenschaftler haben die Insekten alle 11 Tage gewogen. Zu Beginn der Studie hatten sie im Hochsommer zwischen fünf und 20 Gramm Insekten pro Tag in der Falle. 2016 waren es nur noch zwei Gramm oder weniger. Die Auswertung wurde an einer niederländischen Universität durchgeführt.

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Die Forscher befassten sich intensiv mit Temperaturen, Niederschlägen, Windverhältnissen, Pflanzengesellschaften, Lichtverhältnissen rund um die Fallen. Nichts davon konnte das Insektensterben erklären. 

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Fragmentierte Landschaften, also Landschaften, bei denen gewachsene ökologische Zusammenhängen getrennt werden, wirken sich auch auf Insekten aus. Sie finden keine Geschlechtspartner. Die Populationen schrumpfen. Es kommt zu Inzucht und dadurch zu Krankheiten.

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Neue Räuber wandern ein, weil es wärmer wird. Angestammte Insekten flüchten Richtung Norden, Larven schlüpfen früher, als ihre Wirtspflanzen reif sind, und gehen an Nahrungsmangel zugrunde. Lebensräume trocknen aus, milde Winter und häufige Sommerregen begünstigen Parasiten und Pilzkrankheiten.

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Schicken Gärten und aufgeräumte Parks schaden Insekten, denn hier sind keine Nischen für sie. Auch künstliche Beleuchtung verwirrt nachtaktive Tiere und tötet sie.

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52 Prozent der Fläche Deutschlands ist landwirtschaftliche Fläche. Nur ein kleiner Teil wird von Bio-Bauern bewirtschaftet, der größte Teil ist konventionelle Landwirtschaft. Und die bietet Insekten keinen besonders lebensfreundlichen Raum.

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Johannes Steidle

Unsere Felder sind für Insekten genauso wertvoll wie geteerte Parkplätze, sagt Johannes Steidle. Professor für Zoologie an der Universität Hohenheim. Er verfasste mit 77 anderen Experten eine Resolution für den Schutz der Insekten. 

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Maisfelder für Biogas breiten sich immer weiter aus – nutzlos für die meisten Insekten. Axel Ssymank, Biotop- und Artenschutz-Experte vom Bundesamt für Naturschutz will weniger Monokulturen und mehr Komponenten wie Hecken und Randstreifen.

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Wirtschaftsgrünland soll Futter für Milchkühe liefern. Damit das Grün intensiv sprießt, bringen Landwirte auf den Wiesen so viel stickstoffreiche Gülle und Dünger aus, dass nur noch wenige Pflanzen überleben. Mit viel Stickstoff im Boden können nur wenige Pflanzen umgehen. Eine davon ist der abgebildete Glatthafer, aber auch Löwenzahn und Hahnenfuß gehören dazu.

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Pro Jahr bringt die industrielle Landwirtschaft fast 50 000 Tonnen Ackergifte aus. Neonicotinoide – in der EU teils verboten, teils unter Auflagen erlaubt – sollen Schadinsekten zurückdrängen. Tatsächlich treffen sie viele Insektenarten, sagt der Agrarökologe Teja Tscharntke, Leiter der Agrarökologie an der Universität Göttingen.

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Das Herbizid Glyphosat ist billig und darum bei Landwirten beliebt. Ist Glyphosat krebserregend für Menschen? Vielleicht. Ganz sicher aber radieren Totalherbizide die Nahrungspflanzen von Insekten aus, sagt der Agrarökologe Teja Tscharntke.

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Zum Honig gibt es Alternativen. Aber ohne Insektenbestäubung gibt es auch bei Obst und Gemüse massive Ernteausfälle, sagt Axel Ssymank vom Bundesnaturschutzamt.

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Auf dem Foto bestäuben chinesische Farmer Apfelblüten per Hand. Sterben die Insekten weiter, werden auch wir per Hand oder Maschine bestäuben. Wissenschaftler schätzen, dass sich dann bis zu 40 % der essentiellen Nährstoffe nicht mehr bilden.

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Einen Vorgeschmack auf das Insektensterben liefern die vielen braunen Kastanienbäume im Sommer. Durch die Klimaerwärmung konnte die Miniermotte einwandern. Sie verursacht das Blättersterben, hat aber in unseren Breiten keine Feinde. Sie kann die Bäume problemlos befallen und sich weiter vermehren.

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Insekten sind Nahrungsquelle für mehr als die Hälfte aller Vogelarten. Konstantin Kreiser, Experte für EU-Naturschutzpolitik beim Naturschutzbund Deutschland ist alarmiert. Auch der Star, Vogel des Jahres 2018, ist stark betroffen.

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Die pauschalen Flächenprämien der EU unterscheiden nicht zwischen bäuerlichen Betrieben und Agro-Riesen. Wer auf Kosten der Natur produziert, gewinnt. 2015 wollte die EU aber gegen die verheerende Umweltbilanz der Landwirtschaft angehen - mittels "Greening": Landwirte müssen ökologische Bedingungen erfüllen, um EU-Direktzahlungen zu bekommen. Das war eine gute Idee, bis sie verwässert wurde, sagt Teja Tascharntke.

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Übersicht

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Kapitel 1 Inhalt

Windschutz

Windschutz
Kapitel 2 Warum Insekten wichtig sind

Verschiedene insekten

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Kapitel 3 Ein Studie macht Furore

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Kapitel 4 Warum Insekten sterben

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Einfache agrarlandschaft stoppel copyright susanne schiele klein
Kapitel 5 Die Konsequenzen

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Kastanie

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Kapitel 6 Die Lösung

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