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Endstation Serbien

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Auf der Balkanroute war Serbien lange nur ein Durchgangsland für Geflüchtete. Doch seit Ungarn seine Grenze dicht gemacht hat, steigt die Zahl der Gestrandeten. Und so droht das Land zu einer der größten Wartehallen für Flüchtlinge im Herzen Europas zu werden.
Eine Reportage von Martin Gerner

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Krnjaca liegt vor den Toren Belgrads. Es ist eines von 17 Zentren, in denen serbische Behörden die Flüchtlinge registrieren und ihnen Unterkunft und Essen garantieren. Nach Monaten des Wartens und Nichtstuns sind Frust und Depression groß. Die Menschen wollen weiter nach Westeuropa. Doch Ungarn ist eine Festung. Lediglich fünf Menschen am Tag dürfen den Grenzzaun passieren. Angeblich existieren Listen in den Lagern, auf denen steht, wer zu den wenigen Auserwählten zählt.

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Familie Fazeli aus Afghanistan lebt auch in Krnjaca. Vor 18 Monaten mussten sie aus Afghanistan fliehen, weil der Vater Hassan einen kritischen Film über die Taliban gedreht hatte. Sarah, die größere der beiden Töchter, besucht seit mehr als einem Jahr keine Schule mehr. Mit ihrem Vater lernt sie etwas Deutsch. Ihr Traum von einer neuen Heimat soll weiterleben.

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Hassan und Sarah Fazeli besuchen ihren Bekannten Habib. Er lebt in den verfallenen Lagerhallen hinter dem Belgrader Busbahnhof. Wer sich von den serbischen Behörden nicht registrieren lassen möchte, richtet sich seinen Schlafplatz hier ein. Weil der Ort so trostlos ist, sprühen Flüchtlinge und ihre Helfer Sprüche und Graffitis auf die freien Flächen.

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Die Luft ist stickig, er riecht nach Fäulnis, Krankheitserreger breiten sich aus. Hunderte, vor allem junge Männer hausen hier. Viele von ihnen kommen aus Pakistan oder Afghanistan. Nicht alle sind offen für ein Interview oder wollen sich fotografieren lassen. Sie schämen sich, haben Angst, dass ihre Verwandten zu Hause ihre Gesichter im Internet wiedererkennen könnten.

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Selbst tagsüber ist es dort so dunkel, dass man kaum die Hand vor Augen sieht. Wer kein Zelt hat, schläft unter vermoderten Filzdecken. Viele haben chronischen Husten. Einen Arzt kann sich hier aber keiner leisten.

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Zeit zum Beten. Die Flüchtlinge haben sich notdürftig, mit Holzplanken abgegrenzt, einen Raum als Moschee hergerichtet.

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Habib kommt aus Afghanistan. Er sagt, dort sei er Dolmetscher für das US-Militär gewesen. Seit Monaten lebt Habib in den verrotteten Lagerhallen in Belgrad. Mit Hilfe von Schleppern hat er mehrfach versucht, die Grenze nach Ungarn oder nach Kroatien zu überqueren. Immer wurde er gefasst, die serbischen Behörden schickten ihn nach Belgrad zurück. Trotzdem will er weiter nach Westeuropa.

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Freiwillige Helfer verteilen einmal am Tag warmes Essen an die Flüchtlinge. Kochgelegenheiten gibt es in den Lagerhallen nicht.

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Die meisten Unterkünfte für Flüchtlinge liegen weit weg von der ungarischen Grenze. Wer sich nicht von den serbischen Behörden registrieren lassen möchte, muss sich auf Umwegen durchkämpfen. Die meist jungen Männer campieren oft im „Jungle“ - also in der freien Natur, wie sie selbst sagen. Oder übernachten in leerstehenden Ruinen unweit des Grenzzauns.

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In einer leerstehenden Ziegelei in der Nähe von Subotica ist dieser pakistanische Minderjährige gestrandet – nur zehn Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt. Er weiß nicht, wie er sein Ziel in Westeuropa erreichen soll. Nur wenigen gelingt die Flucht.

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Pfarrer Tibor Vargas aus Subotica kümmert sich seit sieben Jahren um die Flüchtlinge. Mit seiner Hilfsorganisation verteilt er Essen, Medikamente und spricht mit ihnen über ganz Alltägliches. Bekommen sie weder Würde noch Zuneigung, wird dies in einer menschlichen Katastrophe enden, glaubt der Pfarrer.

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Amir kommt aus dem Iran. Auch er will nach Ungarn. Nur fünf Menschen werden hier täglich hinübergelassen. Hinter Amir liegt die Transitzone. In den blauen Containern müssen die Geflüchteten unter haftähnlichen Bedingungen monatelang ausharren. Der junge Iraner arbeitet freiwillig als „Community Leader“. Er registriert die Flüchtlinge, weist sie in die Transitzone ein. Amir hofft, dass sich seine Arbeit als Ordner eines Tages auszahlt.

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Der ungarische Übergang Horgos ist mehrfach durch Stacheldrahtzaun gesichert. 24 Stunden am Tag patrouillieren schwer bewaffnete Soldaten. Politiker und Menschenrechtsorganisationen haben mehrfach gegen die unwürdigen Bedingungen dieses Grenzzauns protestiert.

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Amir harrt seit Wochen in einem Zelt unmittelbar vor der Transitzone aus. Auch er möchte auf die ungarische Seite. Doch Familien und Mütter mit Kindern werden bevorzugt, heißt es. Also muss Amir weiter warten.

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